St. Leonhard Hilfarth - Historisches

Domkapitular Dr. J. W. Braun

Artikel aus dem Kölner Lokal-Anzeiger vom 19.11.1907

Nachruf auf Dr. Braun
Gefunden und in lateinischer Normalschrift umgesetzt: Theo Schmitz, 09.11.2025


Domkapitular Dr. J. W. Braun

Domkapitular Dr. J. W. Braun, an Lebensjahren das älteste Mitglied des Kölner Metropolitankapitels, ist gestern (18. November) abends 8 Uhr nach längerer Krankheit infolge von Altersschwäche im hohen Alter von 82½ Jahren gestorben.

Als Präsident des St. Engelbertus-Vereins für emeritierte Priester der Erzdiözese Köln war er beim gesamten Diözesanklerus bekannt und hochgeschätzt, wie auch der Vorsitz im Kirchlichen Versicherungsverein gegen Haftpflicht seinen Namen weit über die Kölner Heimatdiözese hinaus bekannt gemacht hat.

Geboren zu Breinig im Landkreise Aachen am 5. Februar 1825, besuchte er nach Absolvierung der Elementarschule seines Heimatortes das Kaiser-Karl-Gymnasium zu Aachen. Nach bestandener Reifeprüfung bezog er die Universität Bonn zum Studium der Theologie und Philologie.

Im Jahre 1848 trat er in das Kölner Priesterseminar ein und empfing am 3. September 1849 die Priesterweihe. Kardinal Johannes v. Geissel verwandte den Neugeweihten sofort für das Lehramt und ernannte ihn zum Rektor der höheren Schule in Linnich.

Im Herbst 1853 empfahl er dem Fürsten Salm-Dyck den jungen Geistlichen als Instruktor für seine Söhne und beurlaubte ihn zur Übernahme der Erziehungsstelle auf Schloss Salm-Dyck. Diese Zeit benutzte Braun zu seiner Weiterausbildung und studierte sodann in Bonn und Münster klassische Philologie, Mathematik und Naturwissenschaften. In Münster erwarb er sich den philosophischen Doktorgrad.

Nach Vollendung seiner Studien sandte ihn Kardinal v. Geissel am 1. Juni 1857 für eine kurze Zeit als Lehrer an die Stiftsschule zu Aachen und übertrug ihm am 19. Oktober 1858 die Gründung und Leitung der höheren Schule in Gangelt, Kreis Geilenkirchen. Viele Geistliche der Kölner Erzdiözese sind dort seine Schüler gewesen. Seine tiefen wissenschaftlichen Kenntnisse sowohl wie seine natürliche Lehrbefähigung machten ihn zu dem schwierigen wie verantwortungsvollen Amte eines Anstaltsleiters ganz besonders geeignet.

Indessen zwang ein Augenleiden Dr. Braun, die Lehrtätigkeit aufzugeben. Nachdem er die Schule zu Gangelt während seiner elfjährigen Tätigkeit zu hoher Blüte gebracht hatte, wandte er sich an den Erzbischof mit der Bitte um eine Seelsorgstelle. Am 17. August 1869 wurde er zum Pfarrer von Hilfarth, Kreis Heinsberg, ernannt.

Unermüdlich war er als Pfarrer sowohl zur Hebung seiner Pfarre wie namentlich auf dem Schulgebiete tätig, so dass die Aachener Regierung ihn zum Kreisschulinspektor ernannte. Um jedoch seine Pfarre während des Kulturkampfes, wo eine Neuanstellung nicht erfolgen konnte, nicht verwaisen zu lassen, lehnte er die ehrende Ernennung ab und verblieb während des ganzen Kulturkampfes als Pfarrer in Hilfarth.

Mitte der achtziger Jahre präsentierte Kardinal Philippus Krementz der Königlichen Regierung bei Komplettierung des Domkapitels den Pfarrer Braun zu Hilfarth auf eine Domherrenstelle an der Metropolitankirche, wo er am 17. August 1886 als Domkapitular installiert wurde. Unter dem 21. September 1887 berief ihn Erzbischof Krementz als Geistlichen Rat in das Erzbischöfliche Ordinariat.

Auf die Anregung des Domkapitulars Dr. Braun bildete sich mit dem 1. Januar 1899 aus Angehörigen des Säkularklerus der Erzdiözese Köln ein Verein mit dem Zwecke, den durch Krankheit oder Alter arbeitsunfähig gewordenen Mitgliedern einen standesgemäßen Lebensunterhalt bereitzustellen. Im Verein mit Erzbischof Krementz verfasste er für diese Vereinigung, welche den Namen St. Engelbertus-Verein führte, die Statuten und hat ihr als Präsident bis zu seinem Tode vorgestanden.

Als am 18. September desselben Jahres in Köln der Kirchliche Versicherungsverein gegen Haftpflicht für den Bereich der katholischen Kirchenvorstände und kirchlichen Anstalten entstand, war es wiederum Domkapitular Dr. Braun, der bei Gründung dieser Institution, an welcher gegenwärtig zehn Diözesen beteiligt sind, mitarbeitete und den Vorsitz übernahm. Auch diesen Verein hat er finanziell sicher und ertragsfähig zu stellen gewusst.

Jahrelang war der Verstorbene als Mitglied des Kuratoriums auch für die Arbeitslosen- und Erziehungsanstalten Eikenroth, Urft und Maria Veen tätig, und seine Ratschläge und Winke bei den Generalversammlungen waren stets von großer und weittragender Bedeutung.

Freunden der Musik, Mathematik und Naturwissenschaften gereichte der Umgang mit dem gerade auf diesen Gebieten wohlbewanderten Manne zu hohem Genuss. Bei den Proben und Konzerten der von Prof. Schwartz geleiteten Kölner Orchestergesellschaft sowie den naturwissenschaftlichen Vorträgen und Experimentierübungen in der Aula des Realgymnasiums in der Kreuzgasse war Domkapitular Dr. Braun ein ständiger und stets gern gesehener Gast. Bis in die letzten Tage vor der Krankheit war es seine größte Freude, während seiner Mußestunden seine Musikstudien auf seiner großen Hausorgel zu betreiben.

Als der Erzbischöfliche Stuhl zu Köln das Gregoriushaus in Aachen und die Anstalt zur Ausbildung von Küstern, Organisten und Chordirigenten übernahm, wurde Domkapitular Dr. Braun zum Vorsitzenden des Kuratoriums gewählt. Seine letzte Aufgabe war die Zusammenstellung und Bestimmung eines harmonischen Geläutes für die Sionskirche in Jerusalem, eine Arbeit, die er als Vorstandsmitglied des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande übernommen hatte und wenige Wochen vor seinem Tode vollendete. Und in der Tat hatte er durch diese Arbeit allein es verdient, dass der Prior des Benediktinerklosters vom Sion zu Jerusalem an seinem Sterbebette erschien, um ihm den Segen und Trost vom Berge Sion zu bringen und mit ihm die Sterbegebete zu verrichten.

Am 3. September 1900 feierte Domkapitular Dr. Braun unter allgemeiner Teilnahme in der Kölner Domkirche sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum. Schlicht, anspruchslos und einfach lebte er in den verschiedenen Stellungen seines Berufes. Mit nie aussetzender Bereitwilligkeit wusste er den Schatz seiner Erfahrung und seines Wissens für andere zu verwerten. Seine Pflichttreue, sein offener, biederer Charakter, sein immer freundliches Wesen gewannen und bewahrten ihm die Hochachtung und Liebe seiner geistlichen Freunde und Mitarbeiter sowie überhaupt aller, die ihm näher traten, ohne Unterschied der Konfession. Bei seinem frommen Sinn, seinem makellosen, uneigennützigen Charakter und seinem vielseitigen Wissen zierte ihn ganz besonders eine würdevolle Bescheidenheit und eine anspruchslose Liebenswürdigkeit.

R. I. P.

 


 

Welchen umfassenden Beitrag leistete Domkapitular Braun im kirchlichen, sozialen und Bildungswesen seiner Zeit?

Domkapitular Dr. J. W. Braun leistete umfassende und vielseitige Beiträge in den Bereichen des kirchlichen, sozialen und Bildungswesens, die sich über die Kölner Erzdiözese hinaus erstreckten. Er zeichnete sich durch seine Pflichttreue, seinen frommen Sinn, seinen makellosen und uneigennützigen Charakter sowie sein vielseitiges Wissen aus.

Im Folgenden eine detaillierte Darstellung seiner Beiträge:


I. Bildungswesen und wissenschaftliche Tätigkeit

Domkapitular Dr. Braun begann seine Karriere unmittelbar nach der Priesterweihe als Pädagoge und baute seine akademischen Qualifikationen stetig aus.

Akademische Ausbildung und Doktorgrad
Er studierte Theologie und Philologie an der Universität Bonn. Während seiner Zeit als Instruktor auf Schloss Salm-Dyck nutzte er die Gelegenheit zur Weiterbildung und studierte anschließend in Bonn und Münster klassische Philologie, Mathematik und Naturwissenschaften. In Münster erwarb er den philosophischen Doktorgrad.

Schulleitung und Lehrtätigkeit
Kardinal Johannes v. Geissel ernannte den Neugeweihten 1849 sofort zum Rektor der höheren Schule in Linnich. Später war er kurzzeitig Lehrer an der Stiftsschule zu Aachen.

Gründung und Entwicklung der Schule in Gangelt
Am 19. Oktober 1858 erhielt er den Auftrag zur Gründung und Leitung der höheren Schule in Gangelt. Seine tiefen wissenschaftlichen Kenntnisse sowie seine natürliche Lehrbefähigung machten ihn besonders geeignet für dieses verantwortungsvolle Amt. Während seiner elfjährigen Tätigkeit führte er die Schule zu hoher Blüte. Viele Geistliche der Kölner Erzdiözese waren dort seine Schüler.

Engagement im Schulwesen als Pfarrer
Als Pfarrer von Hilfarth war er unermüdlich auf dem Schulgebiete tätig. Die Aachener Regierung ernannte ihn aufgrund dieses Engagements zum Kreisschulinspektor. Diese ehrende Ernennung lehnte er jedoch ab, um seine Pfarre während des Kulturkampfes nicht verwaisen zu lassen.

Förderung von Kunst und Wissenschaft
Domkapitular Dr. Braun war besonders bewandert in Musik, Mathematik und Naturwissenschaften. Er war ein ständiger und gern gesehener Gast bei Proben und Konzerten der Kölner Orchestergesellschaft sowie bei naturwissenschaftlichen Vorträgen und Experimentierübungen. Seine größte Freude war es, in seinen Mußestunden seine Musikstudien auf seiner großen Hausorgel zu betreiben.


II. Kirchliches Wirken und Verwaltung

Domkapitular Braun diente der Erzdiözese Köln in zahlreichen verantwortungsvollen kirchlichen Ämtern.

Hohe kirchliche Ämter
Er war das älteste Mitglied des Kölner Metropolitankapitels und wurde am 17. August 1886 als Domkapitular installiert. Am 21. September 1887 berief ihn Erzbischof Krementz zum Geistlichen Rat in das Erzbischöfliche Ordinariat.

Haltung während des Kulturkampfes
Seine Pflichttreue und Loyalität zeigte sich insbesondere darin, dass er die Ernennung zum Kreisschulinspektor ablehnte und während des gesamten Kulturkampfes als Pfarrer in Hilfarth verblieb, um die seelsorgliche Betreuung seiner Gemeinde sicherzustellen.

Vorsitz im Kuratorium für Musikausbildung
Nachdem der Erzbischöfliche Stuhl das Gregoriushaus in Aachen sowie die Anstalt zur Ausbildung von Küstern, Organisten und Chordirigenten übernommen hatte, wurde Domkapitular Dr. Braun zum Vorsitzenden des Kuratoriums gewählt.

Letzte ehrenamtliche Aufgabe
Seine letzte Arbeit war die Zusammenstellung und Bestimmung eines harmonischen Geläutes für die Sionskirche in Jerusalem. Diese Aufgabe übernahm er als Vorstandsmitglied des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande und vollendete sie wenige Wochen vor seinem Tod.


III. Soziales und Wohlfahrtswesen

Sein soziales Engagement galt vor allem der Absicherung des Klerus und kirchlicher Einrichtungen.

St. Engelbertus-Verein
Auf seine Anregung hin bildete sich am 1. Januar 1899 aus Angehörigen des Säkularklerus der Erzdiözese Köln der St. Engelbertus-Verein. Ziel war es, Mitgliedern, die durch Krankheit oder Alter arbeitsunfähig geworden waren, einen standesgemäßen Lebensunterhalt zu ermöglichen. Domkapitular Dr. Braun verfasste gemeinsam mit Erzbischof Krementz die Statuten und stand dem Verein bis zu seinem Tod als Präsident vor.

Kirchlicher Versicherungsverein gegen Haftpflicht
Am 18. September 1899 entstand in Köln der Kirchliche Versicherungsverein gegen Haftpflicht für katholische Kirchenvorstände und kirchliche Anstalten. Domkapitular Dr. Braun war maßgeblich an der Gründung beteiligt und übernahm den Vorsitz. Er stellte den Verein finanziell sicher und ertragsfähig. An der Institution waren zehn Diözesen beteiligt.

Kuratoriumstätigkeit für soziale Einrichtungen
Über viele Jahre war er Mitglied des Kuratoriums der Arbeitslosen- und Erziehungsanstalten Eikenroth, Urft und Maria Veen. Seine Ratschläge bei den Generalversammlungen waren von großer und weittragender Bedeutung.


Zusammenfassung

Domkapitular Dr. Braun war nicht nur ein herausragender Pädagoge und Schulgründer, sondern auch eine zentrale Persönlichkeit in der Absicherung des Klerus im Alter sowie in der institutionellen Risikovorsorge der Kirche. Mit nie aussetzender Bereitwilligkeit stellte er seinen reichen Schatz an Erfahrung und Wissen in den Dienst anderer.

Sein Leben und Wirken glich dem Fundament eines großen Gebäudes: Er schuf nicht nur Bildungsstätten, sondern auch tragende Strukturen der Fürsorge und Absicherung, die für die Stabilität und Kontinuität des kirchlichen Lebens im Erzbistum Köln von entscheidender Bedeutung waren.