St. Leonhard Hilfarth - Historisches

Dechant Hubert Nohlmanns

Dechant Hubert Nohlmanns (c) Theo Schmitz

Dechant Hubert Nohlmanns – Ein Leben für die Kirche in Hilfarth

Theo Schmitz, Kristina Irion im Juli 2025

 

Ein Leben im Dienst von Glaube und Gemeinschaft

Hubert Nohlmanns, geboren 1841 in Wehr bei Gangelt, war mehr als nur der Pfarrer von Hilfarth. Er war Visionär, Anpacker, großzügiger Stifter und geistliches Vorbild. In seinen fast vier Jahrzehnten als Seelsorger vor Ort hat er die Entwicklung der Pfarrei geprägt wie kaum ein anderer – und ihr ein Gotteshaus hinterlassen, das bis heute das Ortsbild bestimmt.

Nach dem Theologiestudium in Tübingen wurde Nohlmanns 1866 in Köln zum Priester geweiht. Nach Stationen als Kaplan in Süchteln wurde er 1886 Pfarrer in Hilfarth. Er blieb es bis zu seinem Ruhestand – eine überaus prägende Zeit für die Gemeinde.

 

Initiator und Herz des Kirchenbaus

Bereits kurz nach Amtsantritt erkannte Nohlmanns, dass die alte Kapelle den wachsenden Bedürfnissen der Gemeinde nicht mehr gerecht wurde. Doch statt auf ein Provisorium zu setzen, fasste er einen großen Plan: den Bau einer neuen Kirche samt Pfarrhaus. Und er war bereit, selbst in jeder Hinsicht dafür einzustehen – mit Tatkraft, Überzeugung und enormer finanzieller Unterstützung.

Er erwarb den Bauplatz aus privaten Mitteln und versprach, alle freiwilligen Spenden der Gemeinde aus seinem eigenen Vermögen zu verdoppeln. Beim ersten Spendenaufruf kamen stolze 20.000 Mark zusammen – also legte Nohlmanns noch einmal 20.000 Mark aus eigener Tasche obendrauf. Niemand weiß, wie viel er im Laufe der Jahre insgesamt gegeben hat – doch sein Beitrag war außergewöhnlich. Nohlmanns stellte sich nie in den Vordergrund. Vielmehr sagte er:

„Ihr, meine Pfarrkinder, baut die Kirche – ich helfe nur dabei.“

 

Ein gemeinsames Werk – getragen von einer starken Führung

Mit seinem persönlichen Beispiel riss Nohlmanns die Gemeinde mit. Die Beteiligung am Kirchenbau war außergewöhnlich: Bauplatz und Fundament wurden gemeinschaftlich vorbereitet, Materialtransporte organisiert, Spenden gesammelt – bis hinein in andere Regionen. Selbst evangelische Gemeindemitglieder halfen mit. Die Gläubigen packten freiwillig und unentgeltlich mit an, aus Überzeugung und mit tiefem Gemeinschaftssinn.

Der Bau dauerte fast ein Jahrzehnt. 1905 wurde der Grundstein gelegt, 1911 weihte Kardinal Fischer das neue Gotteshaus. Die Ausstattung der Kirche wurde durch zahlreiche Spenden und Engagement der Gemeinde ermöglicht:

Die 25 Kirchenfenster stammen von der renommierten Glasmalerei Oidtmann aus Linnich und wurden vielfach von kirchlichen Vereinen und Gruppen gestiftet.

Die neue Orgel, das Chorgestühl, Beichtstühle, Seitenaltäre, Glocken und die Kirchenbänke wurden ebenfalls durch die Gemeinde finanziert oder gestiftet.

Die größte Glocke im Turm – die 40 Zentner schwere Erlöserglocke – war ein Geschenk von Dechant Nohlmanns persönlich.

 

Seelsorger mit Weitblick und Großmut

1906 wurde Hubert Nohlmanns zum Dechanten des Dekanats Wassenberg ernannt. In dieser Rolle übernahm er zusätzliche Aufgaben im gesamten kirchlichen Umfeld – und blieb dennoch mit ganzer Kraft seiner Pfarrei verbunden.

1911 feierte er sein 25-jähriges Pfarrjubiläum in Hilfarth mit einem großen Fest, zu dem das ganze Dorf eingeladen war. Die Gemeinde wollte ihm zu diesem Anlass ein wertvolles Ziborium (Hostienkelch) schenken. Doch Nohlmanns war ihr zuvorgekommen: Er hatte das Ziborium bereits selbst gestiftet – ein weiteres Zeichen seiner Bescheidenheit und Verbundenheit mit der Kirche. Auch die stattliche Geldspende, die ihm überreicht wurde, ließ er für kirchliche Zwecke verwenden.

1918 wurde er aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Dechanten entbunden und zum Ehrendechanten ernannt. 1925, im Alter von 84 Jahren, zog er sich in das Kloster Steyl bei Venlo zurück.

 

Ein bleibendes Vermächtnis

Dechant Hubert Nohlmanns verstarb am 26. März 1928 im Alter von 87 Jahren. Seinem Wunsch entsprechend wurde er in Hilfarth beigesetzt – im Schatten „seiner“ Kirche. Seine Erlöserglocke ertönte zu seiner letzten Ehre. Sein Grabmal wurde später zur Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Auch über seinen Tod hinaus wirkte sein Geist weiter. Seine Schwester Hubertina Nohlmanns, selbst eine engagierte Wohltäterin, setzte das gemeinnützige Engagement der Familie fort. Mit ihrem Tod 1931 endete der Familienzweig in Wehr – doch der Name Nohlmanns bleibt unvergessen: Die Gemeinde benannte noch im selben Jahr eine Straße nach dem Dechanten. 1939 erhielt die Nohlmannstraße als erste Straße im Ort eine Teerdecke und wurde mit Bäumen gesäumt.

 

Fazit: Ein außergewöhnlicher Mensch mit Weitblick

Dechant Hubert Nohlmanns war nicht nur Seelsorger, sondern Bauherr, Förderer, Gemeinschaftsstifter und geistlicher Motor. Mit Weitsicht, Großherzigkeit und persönlichem Engagement hat er Spuren hinterlassen – baulich, geistlich und menschlich. Die Hilfarther Kirche, wie sie heute besteht, ist auch ein sichtbares Denkmal seines Lebenswerks.

 

 

Erinnerungen an den ehrwürdigen Dechanten Hubert Nohlmanns

Das Wirken des Bauherrn der Hilfarther Kirche konnte anhand zahlreicher Artikel der Heinsberger Volkszeitung rekonstruiert werden.
Theo Schmitz, Juli 2025

 

Kirchenbau

Die Pfarre Hilfarth hatte das Glück, unter ihren Seelsorgern Männer zu haben, die durch ihr Wort alle Gläubigen zum Opfer für das Gotteshaus zu bewegen wussten. Sie gingen mit gutem Beispiel voran und verstanden es, der Opferbereitschaft des gesamten Dorfes Ausdruck zu verleihen. Unvergessen wird Hilfarth sein größter Wohltäter bleiben: der hochwürdige Dechant Hubert Nohlmanns.

Er war es, der Kirche und Pfarrhaus von Hilfarth bauen ließ und dabei auch aus seinem eigenen Vermögen nichts sparte. Nachdem er 1897 das neue, große Pfarrhaus bezogen hatte, begann er mit dem Neubau der Kirche. Ein ursprünglich geplanter Umbau der alten Kapelle wurde verworfen – sie reichte der wachsenden Zahl katholischer Gläubiger nicht mehr aus. Aus eigenen Mitteln erwarb er den Bauplatz und versprach außerdem, den von der Gemeinde freiwillig aufgebrachten Betrag aus seinem Vermögen zu verdoppeln. Schon beim ersten Sammeln kamen 20.000 Mark zusammen.

Es zeigt sich: Der jungen Pfarre ging es wirtschaftlich besser als zur Gründungszeit. Seit den 1850er-Jahren hatte sich die wirtschaftliche Lage der Hilfarther Katholiken spürbar verbessert. So wurden beispielsweise im Jahr 1875 von den im Kreis Heinsberg verarbeiteten 64.130 Gebunden Korbweiden allein in Hilfarth 23.300 verarbeitet – die Korbmacherzunft war die stärkste im ganzen Kreis. Die Wege in die umliegenden Orte waren gut ausgebaut, zwei Eisenbahnstationen lagen in der Nähe, und auch die Industriestädte waren nicht weit entfernt.

Doch ungeachtet dieser Entwicklung war die Beteiligung der Hilfarther am Kirchenbau bemerkenswert – ein Zeichen für einen lebendigen und festen Gemeinschaftsgeist, wie er größer kaum denkbar ist.

Alle Vorarbeiten wurden unentgeltlich geleistet. Als im Spätsommer 1903 eine Hauskollekte für die Bezirke Aachen, Köln und Düsseldorf von der Regierung genehmigt wurde, zogen junge Hilfarther aus und sammelten Spenden.

Pfarrer Nohlmanns selbst war der Bauherr, nicht ein externer Unternehmer; die Mitglieder der Pfarrei waren die freiwilligen Helfer. Der Bauplatz wurde gemeinsam geebnet, ein Haus abgerissen, ein Weiher verfüllt und eine große Kiesbank in der Rur für die tiefen Betonfundamente abgetragen. Bis zum Beginn der Maurerarbeiten wurde alles unentgeltlich von den Hilfarthern geleistet. In langen Karawanen transportierten Hilfarther Fuhrwerksbesitzer die Baustoffe. Selbst evangelische Bauern der Gemeinde halfen mit.

Pfarrer Nohlmanns war mit Wort und Tat stets an vorderster Stelle. Niemand weiß genau, wie viel er tatsächlich gab. Er sagte lediglich:
„Ihr, meine Pfarrkinder, baut die Kirche – ich helfe nur dabei.“

Im Frühjahr 1905, als die Umfassungsmauern über das Erdreich hinausgewachsen waren, kam Domkapitular Dr. Braun in seine ehemalige Pfarrei zurück und legte feierlich den Grundstein. Im Juni 1911 wurde das Gotteshaus von Kardinal Fischer persönlich eingeweiht.

Fast ein Jahrzehnt lang hatten Pfarrer und Gemeinde an der Kirche und ihrer Ausstattung gearbeitet. 25 große Kirchenfenster fertigte die Glasmalerei Oidtmann aus Linnich an, gestiftet von kirchlichen Vereinen und Standesgruppen.

Der 1881 von dem in Heinsberg geborenen Bildhauer L. Boeke in Antwerpen geschaffene Hochaltar wurde umgebaut und vergrößert. Vier neue Glocken kamen in den Turm; die größte, die 40 Zentner schwere Erlöserglocke, war ein Geschenk von Pfarrer Nohlmanns. Die Kirchenbänke wurden von den Pfarrangehörigen finanziert – jeder zahlte seinen eigenen Sitz. Einer stiftete das Holz für die Kinderbänke. Auch Chorgestühl und Beichtstühle wurden angeschafft.

Die Seitenaltäre der alten Kapelle mit den Bauernheiligen Leonardus und Brigida wurden entfernt; Maria und Josef erhielten ihren Platz auf den neuen Altären. Leonardus und Brigida kehrten in das Land ihrer Herkunft zurück – zusammen mit anderen Ausstattungsstücken wurden sie einem armen Kloster in Belgien geschenkt.

Kurz darauf wurde das Gaslicht installiert, eine neue Orgel angeschafft und die Kirche ausgemalt. Die Bedachung des Kirchturms begann im August 1906, und auch die neuen Glocken wurden geweiht.

1911 feierte Dechant Nohlmanns sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum. Die Gemeinde wollte ihm zu diesem Anlass ein Ziborium (Hostienkelch) schenken, doch er kam ihnen zuvor: Er hatte selbst der Kirche einen Kelch gestiftet.

1925 zog sich Pfarrer Nohlmanns im Alter von 84 Jahren nach Steyl zurück – das Alter zwang ihn zur Ruhe. Sein Nachfolger, Pfarrer Woebel, führte die Arbeit an der Kirche fort. Aus Oberammergau kam eine kunstvoll gefertigte Krippe nach Hilfarth, und anstelle der im Ersten Weltkrieg eingezogenen Leonardusglocke wurden drei neue Glocken beschafft.

Am 26. März 1928 verstarb Dechant Nohlmanns in Steyl. Seine sterblichen Überreste wurden nach Hilfarth überführt, wo er beigesetzt werden wollte. Sein Grabmal dient zugleich als Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Dechant Nohlmanns ruht an der Stätte seines Wirkens, im Schatten der Kirche, die er selbst errichten ließ. Über seiner Ruhestätte erklang noch einmal der volle Ton der Erlöserglocke – der Nohlmannsglocke.

 

Leben

Hubert Nohlmanns wurde 1841 in Wehr bei Gangelt geboren. Seine Eltern betrieben einen Bauernhof mit großen Ackerflächen und Wald in Wehr, Süsterseel, Langbroich, Schierwaldenrath und Hillensberg. Er war der älteste von drei Brüdern und zwei Schwestern, über die sich nur wenige Informationen finden lassen. Ein Bruder, Arnold Nohlmanns, war Pfarrer im Kreis Schleiden. Der andere Bruder, Dr. Leonard Nohlmanns, war Rektor in Fintrop und verstarb in jungen Jahren. Nach dem Tod der Eltern – zuletzt verstarb seine Mutter 1903 (Frau Witwe Mathias Nohlmanns, geb. Winkels) – wurden die Ländereien und Wiesen verpachtet, ebenso wurde Holz verkauft. Ab 1912 begann man, Ländereien zu veräußern.

1863 bis 1864 studierte Hubert Nohlmanns katholische Theologie an der Universität Tübingen. 1866 wurde er in Köln zum Priester geweiht und war ab 1868 durchgehend als Kaplan in Süchteln tätig.

1886 wurde er als Nachfolger des zum Domkapitular von Köln ernannten Pfarrers Dr. Braun zum Pfarrer von Hilfarth berufen. Die Gemeinde Süchteln ließ ihren beliebten Seelsorger nur ungern ziehen und gedachte seiner mit Dankbarkeit. In Hilfarth war Nohlmanns zusätzlich für die Anstellung von Lehrerinnen und Lehrern an der dortigen Schule zuständig.

1906 wurde er zum Dechanten des Dekanates Wassenberg ernannt. In dieser Funktion erfüllte er in den folgenden Jahren zahlreiche Aufgaben im gesamten Dekanat mit großem Engagement.

1911 feierte Dechant Nohlmanns sein 25-jähriges Pfarrjubiläum in Hilfarth. Am Sonntag, dem 19. November, wurde morgens ein feierliches Hochamt zelebriert, nachmittags zogen die örtlichen Vereine in einem Festzug durch das geschmückte Dorf. Die Gemeinde, die Schule und die Vereine ehrten ihn mit Ovationen. Bereits am Vortag wurde das Fest durch Böllerschüsse und Glockengeläut angekündigt. Die ihm überreichte Geldspende bestimmte Nohlmanns für kirchliche Zwecke. Auch ein Silberkranz wurde ihm überreicht – ein Foto davon ist erhalten.

1918 wurde Dechant Nohlmanns aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt entbunden und zum Ehrendechanten ernannt.

1923 versteigerten die Geschwister Nohlmanns das gesamte Inventar ihres Hauses in Wehr, darunter antike Möbel, Porzellan, landwirtschaftliche Geräte, Vieh, Heu und Stroh – gegen Barzahlung.

1925 wurde Pfarrer Christian Woebel mit einem feierlichen Fest in Hilfarth eingeführt. Der 84-jährige Ehrendechant Nohlmanns war ein Leben lang Ratgeber und Freund aller Hilfarther Seelsorger gewesen. Nun, da ein Nachfolger sein Amt übernommen hatte, konnte er seinen Lebensabend in stiller Zurückgezogenheit im Kloster Steyl bei Venlo verbringen.

1928 verstarb Ehrendechant Hubert Nohlmanns im 88. Lebensjahr, im 62. Jahr seines Priestertums und im 3. Jahr seines Ruhestands. In einem Nachruf wurde festgehalten, dass er unter großen persönlichen Opfern das Pfarrhaus und die Kirche von Hilfarth errichtet und sich bis zuletzt um deren Ausstattung bemüht hatte.

Seine älteste Schwester, Fräulein Hubertina Nohlmanns, verstarb 1931 im Alter von 83 Jahren. Mit ihr erlosch der Familienzweig Nohlmanns in Wehr. Sie galt als große Wohltäterin und war über die Grenzen der Heimat hinaus bekannt. Das beträchtliche Familienvermögen wurde nahezu vollständig für gute Zwecke verwendet.

1931 wurde die Weiherstraße in Hilfarth in „Nohlmannstraße“ umbenannt. 1939 erhielt diese Straße im Rahmen eines Straßenbauprogramms ihre erste Teerdecke und wurde mit Bäumen gesäumt.