St. Gereon Brachelen - Historisches

Pfarrer und Dechant Johann Peter Rademacher

Pfarrer und Dechant Johann Peter Rademacher – Ein Leben für die Kirche und die Menschen in Brachelen in schwierigen Zeiten

Theo Schmitz, im Februar 2026

Johann Peter Rademacher wurde am 24.07.1809 in Pütt geboren. Pütt liegt bei Waldenrath und ist auf heutigen Straßen ca. 17 km von Brachelen entfernt.

1863 wurde er Pfarrer in Brachelen, nachdem er zuvor Pfarrer in Geistingen (Ortsteil von Hennef) war. Er folgte damit auf Pfarrer Goebels, der zuvor verstorben war.

1865 also zwei Jahre nach seiner Amtseinführung kaufte Pfarrer Rademacher das Gut Haus Berg sowie 2 Morgen Grundfläche und 11 Morgen Land von dem Jülicher Adligen Freiherr von Hövel und hat daraus “Kloster Maria Hilf” gestaltet. Er beschaffte zusammenmit den brachelener  Einwohnern das erforderliche Mobiliar. Dieses Kloster hatte darüber hinaus die Aufgaben eines Krankenhauses, sowie eines Armenspeise- und Waisenhauses.  Auch wurde es in schwierigen Zeiten als Lazarett genutzt.

1868 schenkte Rademacher Haus Berg der Brachelener Pfarre. Im Kloster hatten mittlerweile Nonnen des Franziskanerordens aus Belgien ihren Dienst angetreten und halfen im Hospital als Schwestern mit. Brachelen hatte zu dieser Zeit bereits 2000 Einwohner und war damit einer der größten Orte im weitem Umfeld. Pfarrer Rademacher erhielt finanzielle Unterstützung vom Erzbistum Köln, die er in die humanitären Leistungen des Klosters einbrachte.

In der 1870er Jahren erklärte sich Pfarrer Rademacher und Bürgermeister Esser aus Brachelen bereit im Klosterhospital 50 Verwundete des Deutsch Französischen Krieges zu pflegen.

Das Kloster entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte (-hunderte) immer weiter, so wurde 1911 ein Isolierhaus für Kranke mit Typhus, Tuberkulose und Malaria angebaut.Heute ist das  “Alten - & Pflegeheim Haus Berg” der St. Gereon Seniorendienste überregional bekannt.

Die kommenden Jahre als Pfarrer in Brachelen erlebte Rademacher unter den Repressionen des sogenannten Kulturkampfes. Otto von Bismark, preussischer Ministerpräsident und erster Reichskanzler, sah eine Einmischung des Vatikans in innerdeutsche Beziehungen und reagierte mit immer engmaschigeren staatlichen Regelungen und kleinlichen Gängeleien gegen die katholische Kirche , so auch in Brachelen.

Den Schwestern im Haus Berg wurde der Unterricht und die Betreuung der Waisenkinder verboten.

Pfarrer Rademacher wurde zu einer zentralen Figur der lokalen Widerstandsbewegung gegen den Kulturkampf. Er weigerte sich, staatliche Aufsicht über kirchliche Angelegenheiten anzuerkennen. Wie viele Pfarrer im Rheinland war Rademacher von Geldstrafen und dem Brotkorbgesetz betroffen, das staatliche Zahlungen an Geistliche einstellte, die den Treueid auf den Staat verweigerten.

In Brachelen führte sein Widerstand zu einer starken Solidarisierung der Dorfgemeinschaft, die ihren Pfarrer durch private Spenden („Pfennigverein“) unterstützte, um die weggefallenen Staatsgehälter auszugleichen.

Bei einem Pfennigverein spendet jeder Haushalt einen kleinen Betreag, um das Gehalt des Pfarrers zu ersetzen, das die preussische Regierung gesperrt hat. Trotz offizieller Mittellosigkeit war Rademacher ein gutversorgter Pfarrer,- sehr zum Ärger der preussischen Behörden.

Ganz Brachelen stand hinter Rademacher!

 

Eine Anekdote über Pfarrer Rademacher verdeutlicht den listigen Widerstand der Brachelener gegen die preussische Staatsgewalt: Als Pfarrer Rademacher aufgrund seiner Weigerung, die staatlichen Gesetze anzuerkennen, zu hohen Geldstrafen verurteilt wurde und diese nicht zahlen konnte, rückten die preußischen Beamten zur Pfändung in Brachelen an.

Der Plan: Die Beamten hatten es auf wertvolle Kirchengegenstände oder die Erträge der Pfarrei abgesehen.

Die Reaktion der Bürger: Die Nachricht von der Ankunft der Beamten verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Anstatt Widerstand mit Gewalt zu leisten, wandten die Brachelener eine Finte an: Als die Beamten eintrafen, waren alle wertvollen beweglichen Güter „verschwunden“ oder wurden von den Bauern als ihr Privateigentum deklariert.

Die Pointe: Es wird berichtet, dass die Beamten unverrichteter Dinge abziehen mussten, während die Dorfbewohner Rademacher heimlich die nötigen Mittel zusteckten, damit er seine seelsorgerische Arbeit trotz des staatlich verhängten Brotkorbgesetzes fortsetzen konnte.

Erst ab 1880 baute die deutsche Regierung die katholikenfeindliche Gesetzgebung nach und nach wieder ab.

 

Pfarrer Rademacher blieb bis zu seinem Tod ein überaus geschätzter Seelsorger und prägte das Bild eines streitbaren Hirten nachhaltig. Auch die hochherzige Schenkung des in seinem Besitz befindlichen Hauses Berg an die Kirchengemeinde und die Errichtung eines Altenheimes wird mit der Geschichte Brachelens verbunden bleiben. Weiterhin hat er sich auch für die Errichtung der Marienkapelle eingesetzt und gegen verwerfliche Argumentationen bei der staatlichen Baugenehmigung interveniert.

Johann Peter Rademacher verstarb in Brachelen am 6. Juni 1883 nach längerem Leiden im 74. Lebensjahr und im 49. Jahr seiner priesterlichen Wirksamkeit. Seinem Wunsch entsprechend wurde er unter dem Missionskreuz bestattet. Die Teilnahme an seinem Begräbnis war sehr groß. Als Pfarrverwalter wurde Wilhelm Palm ernannt.

53 Jahre nach seinem Tod erschien am Freitag, den 24.07.1936 ein Artikel im “Aachener Anzeiger – Spiegel der Heimat”, in dem man die Auswirkung des preussischen Kulturkampfes zwischen den Zeilen lesen kann….

 

Hafer auf dem Kirchenboden

Johann Peter Rademacher - Hafer auf dem Kirchenboden

Freitag, den 24.07.1936 aus Aachener Anzeiger – Spiegel der Heimat