Das Wirken und Arbeiten von Pfarrer Peter Berrenberg in Brachelen in und nach der Zeit des Nationalsozialismus
Theo Schmitz im Mai 2026
Quellen:
Andreas Kochs 2004 Ortsgeschichte Brachelen
Peter Körfer 2015 Missionsgruppe Brachelen Pfarrkirche St. Gereon
Peter Berrenberg wurde am 26. September 1879 in Solingen geboren. Am 15. Februar 1913 empfing der 32jährige im Dom zu Köln die Priesterweihe. Ab diesem Zeitpunkt bis zum Jahr 1927 war er als Kaplan in der Großstadtpfarre St. Gertrudis in Essen aktiv. Zu jener Zeit war das Stadtbild von Essen durch schwer arbeitende Menschen geprägt, deren Seelenheil Berrenberg sehr am Herzen lag.
Am 22. Mai 1927 wurde er zum Pfarrer von Brachelen benannt. Er war sogleich bemüht, die Sorgen und Nöte der Brachelener aufzunehmen und die Pfarre zu einem engen Zusammenhalt zu formen. Weiterhin bemühte er sich, die damalige Pfarrkirche St. Gereon zu erneuern, da lange Jahre keine Renovierungen mehr erfolgt waren. Seine Verhandlungen mit den Behörden waren erfolgreich und er erreichte eine Bewilligung von Beihilfen, die die Arbeiten erst ermöglichten. 1929 wurde der Turm saniert und der Chor erhielt neue Fenster.
Bereits 1928 wurde Pfarrer Berrenberg Präses und Förderer des Kirchenchores und behielt diese Funktion bis 1954.
Ab dem Jahre 1933 zeigte auch in Brachelen der Nationalsozialismus sein wahres Gesicht der Religionsfeindlichkeit und Pfarrer Berrenberg wurde mehrfach verhört und sogar von der Gestapo abgeholt und festgehalten, später jedoch wieder entlassen.
Als im Herbst 1944 das Dorf bereits großteils geräumt war, wurde auch er und die restliche Bevölkerung teils mit Waffengewalt durch die politische Polizei in die Verbannung nach Quadrath Ichendorf geschickt. Auch die Schwestern des Klosters Maria Hilf gelangten dorthin. Die Kirche wurde vor den Augen von Pfarrer Berrenberg verriegelt. Zuvor konnte er noch wertvolle Kultgegenstände im Stahltresor des Pfarrhauses verschließen. Nachdem die deutschen Truppen sich immer weiter vom Westen her in Richtung Rur zurück zogen, hat die SS am 6. Dezember 1944 den Kirchturm gesprengt, um den Alliierten keinen Aussichtspunkt zu überlassen. Dabei ist der Turm auf das Kirchenschiff gefallen und hat dieses vollständig bis auf den Chor zerstört.
Eintrag vom 15. August 1945 im Heiratsbuch Brachelen durch Pfarrer Berrenberg:
Als Pfarrer Berrenberg nach der Kapitulation 1945 nach Brachelen zurückkehrte, fand er die Kirche als Trümmerberg wieder. Die wertvollen kirchlichen Insignien im Stahltresor wurden geraubt und auch das Pfarrhaus war erheblich beschädigt. Auch der wertvolle Messkelch, der ihm gewidmet war, war verschwunden. Darüber hinaus war ganz Brachelen ein Feld von Trümmern. Mittlerweile war er 66 Jahre alt, jedoch hat seine Fürsorgepflicht ihn befähigt, täglich weite Strecken im Dorf zu gehen und den zurückgekehrten Menschen Trost und Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu bringen. Er kümmerte sich um die gerechte Verteilung von Lebensmitteln und Wohnraum. Seine Verbindungen zu seiner Geburtsstadt Solingen nutzte er zur Beschaffung von Blechplatten zur Sanierung der beschädigten Dächer. Aus Korschenbroich, das vom Krieg relativ verschont blieb, erhielt er eine Sammlung von nützlichem Hausrat für die Brachelener, welcher gerne angenommen wurde. Gottesdienste wurden zu dieser Zeit in dem halb zerschossenen Gasthaus Vögels abgehalten.
In dieser trostlosen Zeit erhielt Pfarrer Berrenberg unerwartet einen Brief aus den USA. Eine ihm völlig fremde Ordensfrau, Sister Maria aus dem Convent Mary Immaculate in Steubenville, sandte ihm die Nachricht, dass sein Messkelch in guten Händen sei und man diesen wieder an seinen Bestimmungsort zurück senden wolle.
Ein junger amerikanischer Soldat hatte den Kelch an sich genommen und ihn später mit nach Hause (Steubenville, Ohio) gebracht. Hier feierte die glückliche Familie die Heimkehr des Sohnes unter Freunden und Bekannten mit einem festlichen Mahl. Dabei konnten die Geladenen auch das kostbare Kriegsandenken des jungen Mannes bewundern, denn der Kelch stand mit Pralinen gefüllt, auf dem geschmückten Tisch und die Patene diente als Aschenbecher. Dabei ist die Patene eine Hostienschale, die genau auf den Meßkelch passt. Als ein verspäteter katholischer Gast zur Feier des Rückkehrers hinzu kam, weicht sein Lächeln dem Ausdruck tiefen Erschreckens.
Hierauf erfolgt eine unglaubliche Recherche von Seiten katholischer Geistlichkeit und Nonnen in den USA, die zur Rückführung des Kelches führte, den Pfarrer Berrenberg zum Weihnachtsfest 1947 wieder seinen Brachelenern zeigen konnte.
Schon ab 1946 hat Pfarrer Berrenberg die Brachelener Bevölkerung mobilisiert und mit ihnen den riesigen Trümmerberg der gesprengten Kirche beseitigt. Dabei wurden wiederverwendbare Bausteine vom harten Mörtel befreit und gesammelt. Unzählige Fuhrwerke verbrachten den Bauschutt. Alle Arbeiten wurden von Brachelenern durchgeführt, wobei Pfarrer Berrenberg maßgeblich an allen Aktionen beteiligt war. Die provisorisch genutzte Klosterkapelle und auch das Gasthaus Vögels waren zu klein, um die Brachelner Bevölkerung bei Gottesdiensten aufzunehmen. Zu dieser Zeit waren 3-4 Messen an einem Sonntag üblich. Daher beschloß der Pfarrer und der Kirchenvorstand eine Übergangslösung zu bauen, die auch ohne sichtbaren Turm eine gewaltige Gemeinschaftsleistung darstellte. Diese neue, wenn auch bescheidene Kirche, wurde am 11.Dezember 1949 eingeweiht.
Auch ist es Pfarrer Berrenberg durch eifriges Bemühen gelungen, eine kurz vor Ende des Krieges nach Hamburg verbrachte und zum Einschmelzen bestimmte Glocke nach Brachelen zurück zu holen. Die beiden in der Kirche verbliebenen Glocken hatten die Sprengung glücklicherweise unbeschadet überstanden
Ab 1949 erteilte Pfarrer Berrenberg in der Brachelener Schule den Religionsunterricht. Besucht wurde die Schule von 400 – 450 Schulkindern.
Am 22. Mai 1952 feierte der 73 jährige Pfarrer Berrenberg sein sibernes Ortsjubiläum in voller Rüstigkeit. Dabei hat die gesamte Pfarre mit Dankbarkeit, Stolz und Hochachtung an der Feier teilgenommen. Die im gleichen Jahr im Vereinsregister eingetragene Schützenbruderschaft und der neu gegründete Musikverein veranstalteten aus diesem Anlass einen Fackelzug durch den Ort
Ein weiteres Fest war 1953 die Einweihung der neuen Orgel. Die Beschaffung war nur möglich durch eine sehr hohe Geldspende des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Karl Arnold, der zum Fest der Einweihung in einer Andacht mit Gattin auch in Brachelen anwesend war und später von Pfarrer Berrenberg bewirtet wurde.
1954 plante Pfarrer Berrenberg eine Wallfahrt nach Lourdes, die ihm auch ein wenig Abstand zu den Anstrengungen und Entbehrungen des letzten Jahrzehnts geben sollte. Allerdings erlitt er noch auf der Hinfahrt einen Schwächeanfall, sodass er die Reise abbrechen musste und zurück gebracht wurde. Nach kurzem Krankenlager verstarb er am 20. Oktober 1954.
Sein Tod erfüllte die ganze Pfarrgemeinde mit Schmerz und Trauer.